Nachhaltigkeit erfolgreich gestalten

Workshop von PAPACKS und der STI Group in der Elbphilharmonie

Lauterbach, 2018-04-27 – „Die Elbphilharmonie in Hamburg: ein außergewöhnlicher, inspirierender Ort und der perfekte Rahmen für unseren Workshop!“ Davon waren STI Group-Geschäftsführerin Andrea Wildies und PAPACKS-Geschäftsführer Tahsin Dag überzeugt.

Sie machten „Hamburgs gute Stube“ zur Plattform, auf der Markenartikelhersteller, Händler, Verbraucher, Politik, Agenturen und NGOs mit den Workshop-Teilnehmern Mitte April über die Nachhaltigkeit von Verpackungen diskutierten. Dabei ging es auch um Verpackungsmüll und die chinesischen Importstopps für Kunststoffabfälle. Zielsetzung des Workshops war jedoch in erster Linie, die Auswirkungen des eigenen Verhaltens zu reflektieren und die Rolle der Verpackung in allen Phasen der Supply Chain zu beleuchten.

„Verpackung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck“, so das Credo der Veranstalter. „Wir wollen unseren Kunden Denkanstöße geben und sie in der Umsetzung begleiten“. Bei empfindlichen oder leicht verderblichen Waren kann es sogar sinnvoll sein, mehr Verpackungen einzusetzen und durch die Vermeidung von Bruch oder Schimmelbildung nachhaltiger zu handeln.

Die Elbphilharmonie selbst stand Pate für eine gemeinsam realisierte, nachhaltige Verpackungslösung. Die Mini-ElPhi gibt es befüllt mit unterschiedlichen Störtebeker Brauspezialitäten im Flagshipstore der Braumanufaktur. Der Clou der außergewöhnlichen Verpackung: Ist ihr Inhalt genossen, erweckt sie eine kleine LED-Leuchte ein zweites Mal zum Leben – als originelles Leuchtmittel für die heimischen vier Wände.

Die Idee für das multifunktionale Verpackungskonzept entwickelte die Marken- und Designagentur wertmarke Hamburg, die für die Workshop-Teilnehmer den Entstehungsprozess und die Herangehensweise transparent machte. „Die besondere Herausforderung bestand in der Vielzahl der Verpackungs-komponenten und der Variabilität der Bestückung“, so Designer Tim Willberg.

Auch für Arne Döscher, Leiter Forschung und Entwicklung der FRoSTA AG, spielte die Wahl des richtigen Packstoffes eine zentrale Rolle auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Unternehmen. Die für ihr Umweltengagement mehrfach ausgezeichneten Bremer zeigten eindrucksvoll, welche Hürden sie nehmen mussten und wie viele Details es zu beachten gab. Heute belohnt der Verbraucher das nachhaltige Engagement mit Umsatzzuwächsen im zweistelligen Prozentbereich.

Dies bestätigt auch die aktuelle Verpackungsstudie von PwC: Drei Viertel der Supermarktkunden achten beim Einkauf darauf, Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich zu kaufen. „Dies gilt dabei nicht nur für den Einkauf im stationären Handel, sondern auch für den Einkauf im Online-Shop“, so Olaf Dechow, Senior-Project Manager Strategy & Controlling | Corporate Responsibility der Otto Group. Sein Ziel ist es, den ökologischen Fußbabdruck der eingesetzten Verpackungen zu reduzieren.

Da sich Mehrwegverpackungen für die Belieferung von Endverbrauchern als zu teuer erwiesen arbeitet Otto an der Reduzierung von Füllstoffen, der Verwendung der Verkaufsverpackung als Versandkarton (Ready to Ship) oder der Reduzierung der Materialqualitäten. So verzichtet die Otto Group auf PVC und setzt bei Karton und Wellpappe auf FSC®-zertifizierte Materialien.

In seiner Funktion als „Referent zur Vermeidung von Plastikmüll in den Meeren“ beim WWF konzentrierte sich Dr. Bernhard Bauske auf die Auswirkungen von zu vielen Plastikverpackungen, die nicht recycelt werden und sich im Meer zu riesigen Plastikstrudeln verbinden. „Das aktuelle Engagement vieler Unternehmen, diesen Müll zu bergen, zu recyceln und daraus neue Produkte oder Verpackungen herzustellen begrüße ich sehr“, so Bauske. „Doch eine Verpackung muss nicht erst als Müll im Meer landen, damit wir sie sinnvoll recyceln können. Was wir brauchen sind neue Recyclinganlagen und weltweite Entsorgungssysteme. Gleichzeitig müssen wir die Entwicklung neuer Materialien unterstützen, die Plastik substituieren.“

PAPACKS-Geschäftsführer Tahsin Dag forderte die Teilnehmer auf, bereits bei der Verpackungsherstellung kein Plastik zu verwenden, denn, so seine Überzeugung „in Deutschland wird es in naher Zukunft kein funktionierendes Plastikrecycling geben. Der Einsatz von beispielsweise Faserform-Verpackungen kann Kunststoffe zu 100% ersetzen. Diese Lösung funktioniert dabei nicht nur als Einweg, sondern in der Industrie beispielsweise auch als Mehrweg-Variante. In Zusammenarbeit mit einem international tätigen Kosmetik-Konzern konnte so allein in 2017 die Verwendung von ca. 1.300 Tonnen Kunststoff vermieden werden, die in den Jahren davor für Einweg-Kunststoff-Trays eingesetzt wurden.

Für viele der Workshop-Teilnehmer ist die Reduktion des CO2-Fußabdruckes die relevante Größe, da sie skalierbar ist und Vergleichsmöglichkeiten bietet. Neue Materialien wie Gras- oder Blätter-Papier, migrationsunbedenkliche Lacke und Farben oder Konstruktionen, die bis zu 50 % Versandvolumen reduzieren sind ebenfalls Maßnahmen, die auf diese Ziele einzahlen.

Für die STI Group ist Nachhaltigkeit nicht erst seit der Einführung der Verpackungsverordnung in 1990 ein relevantes Thema. „Wir wollen unseren Kunden helfen, noch erfolgreicher zu sein“. so Andrea Wildies. „Dazu zählt für uns auch, Materialien und Prozesse zu optimieren, Wertschöpfungsketten zu analysieren und neue Wege zu gehen – beispielsweise den Einsatz von Bag-in-Box-Verpackungen für Flüssigwaschmittel. Die auf einer Palette im Handel angelieferte Menge an Flüssigwaschmittel könnte man ohne großen Aufwand verdoppeln, wenn man die Kunststoffflaschen durch Bag-in-Box-Lösungen aus Wellpappe mit Innendbeutel ersetzen würde."

Die Workshop-Teilnehmer aus Industrie, Handel und Agenturen nutzten das Format und die inspirierende Atmosphäre, um sich zu vernetzen, Ideen zu diskutieren und gemeinsam über neue Lösungen nachzudenken.