Die Bedeutung von nachhaltigen Verpackungen – Interview mit dem Händler und Bio-Pioneer tegut…gute Lebensmittel

2020-04-07 –

tegut…gut Lebensmittel ist ein Handelsunternehmen mit Fokus auf Frische, Bio und Regionalität mit rund 280 Lebensmittelmärkten in der Mitte Deutschlands bis nach Bayern und Baden-Württemberg und gehört zur Schweizer Migros. Bio-Lebensmittel machen einen Anteil von 28% am Gesamtumsatz aus. Durch dieses Angebot an zahlreichen Bio-Qualitäten, hochwertigen Eigenmarken, Markenartikeln und dem Vollsortiment von Preiseinstieg bis Premium hebt sich der Trendsetter tegut… gute Lebensmittel im Wettbewerbsumfeld ab.

Die STI Group spricht mit dem Handelsexperten Thomas Gutberlet, Geschäftsführer beim dem Lebensmitteleinzelhändler, über die Bedeutung von nachhaltigen Verpackungen.

Herr Gutberlet, welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit bei tegut…?
Wir haben den Umgang mit Ressourcen im Fokus, schon seit Mitte der 1970er Jahre. Das ist einfach unsere DNA und Nachhaltigkeit gehört ganz klar zum Markenkern von tegut… Neben dem bewussten Umgang mit Ressourcen ist uns unser großes Bio-Sortiment sehr wichtig. In unseren Waren – inklusive ihrer Verpackungen – sehen wir den größten Hebel für nachhaltig positive Veränderungen.

Welche Ansprüche stellt tegut… an Verpackungen?
Wir haben keine Verpackungs-Guideline, sondern versuchen, in der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten immer das Bestmögliche zu erreichen. Besonders gut gelingt uns das bei unseren mehr als 1.000 Eigenmarken. Hier schauen wir besonders darauf, wie wir Plastik-müll weiter reduzieren können.

Das Bio-Hackfleisch Ihrer Eigenmarke verpacken Sie neuerdings in Karton?
Zum Großteil, ja. Die SB-Verpackung für Hackfleischprodukte unserer regionalen und Bio-Eigenmarke besteht jetzt aus 75% weniger Kunststoff. Das Hackfleisch befindet sich in einer dünnen recyclingfähigen Kunststofffolie, die eine Kartonschale auskleidet. Der Frisch-faserkarton besteht zu 100% aus nachwach-senden Rohstoffen und ist FSC®-zertifiziert.

Das heißt, Ihre Kunden müssen die Verpackung vor dem Entsorgen trennen. Tun sie das?
Verbraucher haben heute vieles selbst in der Hand. Das fängt an bei der bewussten Ent-scheidung für ein nachhaltiges Produkt oder eine nachhaltige Verpackung. Es geht weiter mit der Trennung des Verpackungsmülls, Food Waste oder der CO₂-Bilanz von Nahrungs-mitteln. Industrie und Handel können auf dem Weg zum Verbraucher vieles tun und reduzie-ren, aber wenn der Deckel beim Kochen nicht auf den Topf gesetzt wird, ist die Energiebilanz dahin. Für mich zeigt das positiv, dass wenn ich als Verbraucher etwas ändern möchte, ich direkt bei mir anfangen kann.

Würden Ihre Kunden für eine nachhaltigere Verpackung mehr bezahlen?
Grundsätzlich machen umweltschonendere bzw. nachhaltigere Verpackungen Produkte ja nicht zwangsläufig teurer. Aber unabhängig davon sind unsere Kunden in der Regel sehr interessiert daran, neue Wege in der Verpackung mitzugehen, fordern dieses an vielen Stellen auch ein. Sie sind also in erster Linie nicht preisorientiert beim Einkaufen, sondern eher umweltbewusst, was es uns deutlich einfacher macht, über alternative Verpackungen nachzudenken.