Inside Carrefour & Tesco

Mit Flagship-Stores und Zukunftsmärkten testen Händler neue Ideen und Formate, bevor diese ausgerollt werden. In Villiers en Bière steht vor den Toren von Paris der „Carrefour der Zukunft“, im tschechischen Prag testet Tesco neue Formate für Osteuropa. Dabei fahren die Handelsunternehmen unterschiedliche Konzepte: Carrefour setzt auf das Einkaufserlebnis, Tesco auf Effizienz.

Carrefour: „Démonstration de l'esprit“

Mit 25.000 m2 ist der im Oktober 2016 komplett modernisierte Markt der größte Hypermarkt Europas. Unter dem Dach eines Konzept-Stores erwarten Kunden verschiedene Universen – von Beauty über Bio bis hin zu Frische. Rund 6.000 Kunden bedient Carrefour von montags bis donnerstags, freitags und samstags verdoppelt sich die Zahl auf 10-12.000. Mit einem Bonwert von 60-70 € liegt der Einkaufswert deutlich höher als an anderen Standorten. Dies liegt auch an der Klientel, die nach Aussage von Marktleiterin Aurélie Barata auf einen Markt mit diesem Angebot gewartet hat: Bildungsbürger mit höherem Einkommen.

Food im Zentrum

Das Einkaufserlebnis steht beim neuen Marktkonzept von Carrefour an erster Stelle. Alle Verkaufsförderungselemente sind darauf ausgerichtet, Produkte und Marken zu inszenieren; Gondelköpfe werden häufig von den Category Leadern der Warengruppen gestaltet. Damit sich die Kunden im Markt schnell zurechtfinden, nutzt Carrefour Geo-Lokalisation und leitet die Shopper via App zu den gewünschten Produkten. Ergänzende Produktinformationen werden über Digital Signage-Lösungen ausgespielt. Neue Technologieren und Marktplatzatmosphäre stehen hier im Einklang. Die schwächelnde Non-Food Kategorie wurde zu Gunsten eines breiten Food-Angebotes reduziert.

TESCO: Flagship-Store

Der britische Handelskonzern Tesco ist nach Walmart und Carrefour die Nummer drei der Welt. Im Heimatland Großbritannien ist Tesco Marktführer, besonders stark ist das Unternehmen zudem in Osteuropa aufgestellt. Im Prager Einkaufszentrum Letnany betreibt das Handelsunternehmen einen Flagship Store. Der ganzjährig und rund um die Uhr geöffnete Markt besticht durch seine Größe und das breite Warenangebot - aber auch durch eine Vielzahl von Verkaufsförderungsaktionen und den Einsatz neuester Technologien. Rund 5.000 Kunden zählt der Markt von Montag bis Donnerstag, von Freitag bis Sonntag steigt die Zahl auf 8.000. Bereits 7% der Kunden scannen ihre Einkäufe mit den bereitgestellten Handscannern selbst, 5% der Kunden bezahlen aktuell mit dem Smartphone. Beide Werte sollen in den nächsten Jahren auf 50% gesteigert werden. Der Grund dafür ist einfach: Effizienz. Daher fordert Tesco von seinen Lieferanten auch die Anlieferung der Produkte als Shelf-Ready-Packaging-Lösung, damit diese mit einem Handgriff im Regal platziert werden können. 85% der Displays werden flachliegend im Markt angeliefert, dort von Merchandisern aufgebaut und mit Ware bestückt, beziehungsweise nachbestückt. Damit will Tesco sicherstellen, dass nach Beendigung einer Kampagne wenig Restware in den Läden verbleibt, die nicht in Regale verräumt werden kann. Tesco hat seine Fläche nicht nur für traditionelle Kunden optimiert. Im Markt fällt die Vielzahl an Damen auf, die besonders große Einkaufswagen mit mehreren Fächern durch die Gänge schieben. Sie erledigen jedoch nicht etwa den Großeinkauf fürs Wochenende, sondern packen die von Kunden online bestellten Lebensmittel vor Ort zusammen. Diese können später wahlweise im Markt abgeholt oder nach Hause geliefert werden. Der Umsatz der „COM-Shopper“ ist rund viermal so hoch wie der klassischer Kunden.

Unterschiedlicher Ansatz, gleiches Ziel

So unterschiedlich das Design der Märkte ist – die Fokussierung auf den Shopper und dessen Bedürfnisse ist in beiden Konzepten deutlich spürbar. Mit einer stimmigen und ansprechenden Warenpräsentation setzen sie einen deutlich sichtbaren Gegenpol zum Internetshop.